Verkehrsgeschichtliches aus Schleswig-Holstein
 
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Marschbahn (NOB) und Hindenburgdamm

Westerland - Niebüll - Hamburg-Altona

Die Marschbahn ist neben der Strecke von Hamburg-Altona nach Kiel eine der ältesten Bahnverbindungen in Schleswig-Holstein. Bereits 1845 wurde der erste Streckenabschnitt von Elmshorn (abzweigend von der Strecke nach Kiel) bis Glückstadt feierlich eröffnet.
Die Inbetriebnahme der weiteren Abschnitte folgten in größeren Abständen: 1857 bis Itzehoe und 1878 bis Heide (damals noch auf einem anderen - direkteren - Streckenabschnitt, ab 1895 mittels einer Klappbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal nördlich von Brunsbüttel,die 1920 nach Verbreitung des Kanals durch eine Hochbrücke bei Hochdonn und einer gänzlich neuen Streckenführung weiträumig an Brunsbüttel vorbei ersetzt wurde).

Im Jahre 1887 war der Ausbau der Marschbahn vorerst komplett - von Altona ging es direkt bis Husum, Niebüll, Tondern und Hoyerschleuse (dem einstigen Fährhafen für die Insel Sylt).
Nach dem Ersten Weltkrieg ging das nördliche Schleswig nach einer Volksabstimmung im Jahre 1920 an Dänemark. Das hatte zur Folge, dass auch der Fährhafen Hoyerschleuse dänisch wurde und Fahrgäste nach Sylt zweimal die Grenze passieren musste. Zwar entfielen aufwändige Grenzkontrollen, da die Züge an der Grenze plombiert wurden, dennoch wurde dieser Zustand als so unglücklich empfunden, dass man den Bau eines festen Dammes nach Sylt erwog. Für Materialtransporte (zum Dammbau) wurde 1922 die Marschbahn von Niebüll bis Klanxbüll verlängert. Im Jahre 1927 wurde dann auch der Damm durch das Wattenmeer sowie die Bahnstrecke quer über die Insel Sylt mit den Bahnhöfen Morsum, Keitum, Tinnum (nicht mehr existent) und Westerland fertiggestellt. In Westerland bestand Anschluss an die Inselbahn. Der Damm wurde spontan bei der Eröffnungsfeier nach dem zur Feierlichkeit angereisten Reichspräsidenten Hindenburg benannt.

Im Jahre 2005 übernahm die private französische Eisenbahngesellschaft Veolia mit ihrer Tochtergesellschaft "Nord-Ostseebahn" den Regionalverkehr auf der Marschbahn (derzeit ist der Verkehr für die Zeit nach 2015 neu ausgeschrieben). Zudem verkehren einzelne IC-Züge der Deutschen Bahn nach Berlin/Dresden, Köln/Frankfurt und Hannover/Frankfurt. Diese führen zwei Kurswagen mit sich, die in Niebüll vom Hauptzug, der nach Westerland (und sogar in Keitum und Morsum hält) verkehrt, abgekoppelt werden und mit einem Triebwagen der neg zum Fähranleger Dagebüll Mole weiterfahren. Somit haben die Fernzüge auf der Marschbahn Bedeutung für Urlauber der Inseln Sylt, Amrum und Föhr. In Niebüll besteht außerdem Anschluss an Züge der neg/Arriva in die dänischen Städte Tondern und Esbjerg.

Zwischen Niebüll und Westerland verkehren auf der Marschbahnstrecke auch AutoZüge der DB-Tochter SyltShuttle. Autofahrer fahren in einer Verladestation auf die Züge und können im eigenen Auto während der 45-minütigen Fahrt über den Hindenburgdamm sitzen bleiben. Da die Strecke zwischen Westerland und Morsum sowie Klanxbüll und Niebüll eingleisig ist führt der dichte Personen- und Autozugabstand gerade in der Sommersaison zu Engpässen. Die Frage ist, ob ein Neubau von Fahrzeugterminals in Morsum (am äußersten Ostrand Sylts) die Lage nicht entspannen würde. In Morsum beginnt zum einen die zweigleisige Strecke, zum anderen müssten die Autos der Urlauber nicht direkt im Stadtzentrum Westerlands verladen werden. Dies würde zudem zur Entlastung der städtischen Straßen Westerlands beitragen.





Zwei Autozüge begegnen sich kurz vor dem Hindenburgdamm bei Klanxbüll




Blick aus dem Fenster eines IC-Zuges, der sich gerade auf dem Hindenburgdamm befindet.




Zug auf dem Hindenburgdamm, 1927/28



Bahnhof Morsum, 1927/28




Bahnhof Keitum, 1927/28



Bahnhof Westerland, 1927/28


Fotos vom Bau des Hindenburgdammes 1922 - 1927:








Querschnitt des Hindenburgdamms










Beamtenwohnhaus Kössespitze, 1
927/28



Beamtenwohnhaus Westerland I, 1927/28



Beamtenwohnhaus Westerland II, 1927/28



Die s/w-Fotos entstammen dem Band: Rudolf
Schmidt (1928):
Der Hindenburgdamm nach Sylt und die Landgewinnung an der schleswigschen Westküste  Berlin: Mittler Verlag. Sollten Sie Rechteinhaber dieses Bandes sein, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.