Hessen
Verkehrsgeschichtliches aus Hessen
 
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Nerobergbahn Wiesbaden

Die Geschichte der Nerobergbahn beginnt im Herbst 1888. Im Jahre 1886 entwickelte Carl Rudolf aus Baden-Baden die Idee, eine Standseilbahn zwischen dem Nerotal und dem Neroberg nördlich der Stadt Wiesbaden zu eröffnen und beantragte beim Magistrat eine Konzession, die kurz darauf genehmigt wurde. Die darauf hin erbaute Strecke hat eine Länge von knapp einem halben Kilometer und überwindet eine Höhe von 83 Metern. Für die Fahrt von Berg- zu Talstation brauchen die Bahnen mit einer Geschwindigkeit von etwa sieben Stundenkilometern dreieinhalb Minuten.

 


 

Talstation


Als Antriebsart wählte man das damals für Bergbahnen übliche Wasserbalast-System: Zwei Fahrzeuge verkehren auf der Strecke; beide Bahnen fahren zur selben Zeit an jeweils einem Bahnhof los und treffen sich in der Mitte der Strecke auf halber Höhe. Der gen Tal fahrende Wagen wird in der Bergstation mit bis zu 7.000 Litern Wasser befüllt (je nach Passiergierbesetzung), das als Ballast dient. Die Schwerkraft zieht den talwärts fahrenden Wagen gen Talstation. Dieser Wagen ist mittels eines Seiles über eine große Rolle in der Bergstation mit der bergwärts fahrenden Bahn verbunden.


 
Nerotalviadukt

In der Talstation wird das Wasser abgelassen und mit einer Elektropumpe zu einem Wasserspeicher auf dem Neroberg zurückgepumpt.
Die Nerobergbahn ist heute die einzige nach dieser Antriebsart verkehrende Bahn in Deutschland und eine von sechs ihrer Art in Europa. Zusätzlich zum Fahrseil gibt es für jede Fahrtrichtung eine Zahnradschiene, die nur fürs Bremsen genutzt wird. Die Nerobergbahn ist also quasi eine kombinierte Standseil- und Zahnradbahn, wobei bei im Gegensatz zu regulären Zahnradbahnen den Zahnrädern keine Antriebsfunktion zukommt.


Die drei Schienen und Zahnstangen / Bergstation Neroberg


Neroberg: Ausgang der Bergstation


Im Jahre 1939 sollte die Nerobergbahn auf Elektrobetrieb umgestellt werden, doch kriegsbedingt kam es nicht dazu. Zwischen 1923 und 1925 sowie 1944 und 1948 war die Bahn außer Betrieb, wurde aber nach 1948 wieder im ursprünglichen Wasserballastsystem in Dienst gestellt. In den Wintermonaten Oktober und April verkehrt die denkmalgeschützte Bahn nur nach Vereinbarung. Die Bahn wird von den Stadtwerken Wiesbaden (ESWE) betrieben, hat aber vor allem eine touristische Bedeutung. Neben der Talstation befindet sich in einem ehemaligen Toilettenhäuschen ein kleines Museum.