Hessen
Verkehrsgeschichtliches aus Hessen
 
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Nahverkehr Marburg


In der hessischen Universitätsstadt startete der öffentliche Nahvekehr im Oktober des Jahres 1903. Damals wurde die erste Pferdebahnlinie der Stadt zwischen Bahnhof und Wilhelmsplatz eröffnet. Die Speditionsfirma von Eduard Heppe pachtet die Strecke und nutzt sechs von der Heidelberger Pferdebahn angekaufte  Wagen. Zusätzlich zum bestehenden Netz verkehrte im Jahr 1904 fast ein halbes Jahr lang eine zweite Pferdebahnlinie vom Wilhelmplatz zum Heumarkt. Da am Wilhelmsplatz umgestiegen werden musste und die Fahrzeit zwischen Bahnhof und Oberstadt unverhältnismäßig lang war, gab es wenig Zuspruch und die Zweiglinie wurde schnell wieder eingestellt. Am Wilhelmplatz befand sich die Werkstatt der Pferdebahn (hier sind heute noch Gleisreste zu finden, s. Foto). Die Züge verkehren alle 20 Minuten zwischen Bahnhof und Haspelstraße (?) und stündlich bis zum Wilhelmsplatz.

Bis zum 10. Oktober 1911 verkehrte die meterspurige Pferdebahn, dann wurde sie ab dem 23. November durch ein elektrisches System abgelöst (schon 1902 bot Siemens der Stadt den Bau einer "Elektrischen" an) und 1912 vom Wilhelmsplatz zur Gisselberger Straße verlängert. Der Straßenbahnbetrieb wurde von den Stadtwerken und nicht mehr vom Spediteur Heppe durchgeführt. Am 1. April 1913 wurde dann auch der bereits testweise zehn Jahre zuvor gebaute Streckenabschnitt zum Heumarkt elektriziert und wieder in Betrieb genommen, aber wieder wegen Fahrgastmangels kurze Zeit später zum 1. August 1914 stillgelegt. Am 5. Dezember 1934 wird die Straßenbahn von der Gisselberger Straße bis zum Südbahnhof verlängert. In den vierzig Betriebsjahren der Marburger Straßenbahn wuchs das Netz also nur auf eine Streckenlänge von etwa dreieinhalb Kilometern an; die Fahrzeit betrug 17 Minuten. Zuletzt verkehrten Züge alle achteinhalb Minuten.


Karte: openstreetmap.org


Am 17. Mai 1951 wurde die Straßenbahn stillgelegt und zwei Tage später durch eine Obuslinie abgelöst (geplant war diese Umstellung schon im Jahre 1941). Die Straßenbahnwagen wurden nach Darmstadt verkauft. Das etwa vier Kilometer umfassende Obusnetz hatte bis zum 5. Oktober 1968 Bestand. Der Wagenpark bestand anfangs aus fünf Obussen.  Heute verkehren in Marburg nur noch Dieselomnibusse. 1991 wurde in der Stadtverordnetenversammlung erstmals von der Initiative "Bürger für Marburg" ein Antrag auf Wiedereinführung der Straßenbahn gestellt, der mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde. In dem
Konzept der BfM zur Straßenbahnwiedereinführung war auch ein Überlandverkehr auf Eisenbahngleisen nach Kasseler/Karlsruher Vorbild enthalten.

Gleisreste der Pferdebahn, ehem. Werkstatt

Straßenbahn Marburg - Eckdaten:
Spurweite: 1000 mm
Hauptbahnhof <> Rudolphsplatz <> Wilhelmsplatz <> Gisselberger Straße <> Schützenpfuhlbrücke <> Südbahnhof; außerdem gab es kurzzeitig eine Zweigstrecke vom Wilhelmplatz über die Barfüßerstraße zum Oberstadt-Markt (1903 und 1913-1914).


Schiffsverkehr

Auf der Lahn gab es zwischen 1882 und den 1930er Jahren eine Linienschiffsverbindung im Ausflugsverkehr zwischen dem Freibad Wehrdaer Weg und dem Ausflugslokal Lahngarten im heutigen Ortsteil Wehrda. Nach dem Krieg wurde die Verbindung gelegentlich wieder aufgenommen; seit den 1950er Jahren gibt es aber keinen regelmäßigen Fährbetrieb in Marburg mehr.


Midi-Bergbusse zum Schloss und den Behringwerken

Die steilen Straßen durch die Marburger Oberstadt und hinauf zum Landgrafenschloss bzw. über den Rotenberg nach Marbach und ihre Kurven sind zu eng für normale Busse. die Marburger Stadtwerke entschieden sich deshalb 2011 für den Kauf von kleinen spurtstarken Midibussen der italienischen Firma
BredaMenarini, die sich mit viel Leistungen die Steigungen "hinaufkämpfen". Diese Busse verkehren auf den Linien 10, 16 und 20:

Midibus, Linie 10 am Gisonenweg

10: (Hauptbahnhof <>) Universitätsbibliothek <> Gutenbergstr. <> Schloss
16: Dilschhausen <> Wehrshausen <>
Gutenbergstr. <> Rudolphsplatz
20:
(Hauptbahnhof <>) Universitätsbibliothek <> Gutenbergstr. <> Höhenweg <> Behringwerke



  Linie 10 am Gisonenweg
Linie 10 am Landgrafenschloss


Planungsidee für eine Seilbahn Marburg - Lahnberge


Der Plan, in Marburg eine Seilbahn zu bauen, stammt aus den 1970er Jahren. Der damalige CDU-Politker Gert Dahlmanns äußerte die Idee, vom Ketzerbach hoch zum Schloss eine Seilbahn zu bauen. Zeitgleich entstanden Pläne, zwischen der Mensa auf den Lahnbergen und der Unibibliothek im Lahntal eine Seilbahn für Studenten und Uniklinikbeschäftige zu errichten. Beide Pläne klangen damals kurios, wurden aber immer wieder aufgegriffen. Zuletzt wurde 2010 - 2013 vom Bürgermeister Kahle (GRÜNE) die Idee geäußert, die Lahnberge und die Uni mit einer Kabinenseilbahn anzubinden. Nur acht Minuten bräuchten die Bahnen, wesentlich kürzer als die heute verkehrenden oft  Busse der Linie 7.

Seilbahnpläne werden in Marburg seit jeher als Utopie und Träumerei abgetan, so musste auch Kahles Projekt weiter zurückgestellt. Zum einen würden die immensen Baukosten (und die damit verbundenen höheren Fahrpreise) und zum anderen die Gefahr von Einsprüchen von an den Lahnbergen wohnenden Eigentümer gegen das Projekt sprechen. Dennoch gibt es aktive
Unterstützer der Seilbahnidee wie z.B. der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) oder Ärzte des Uniklinikum, zumal eine Seilbahn die ökologisch vernünftigste Alternative wäre. Schon jetzt sind die 4000 Parkplätze im Waldgebiet auf den Lahnbergen schnell besetzt und die Busse zu Stoßzeiten stets überfüllt.


Planungsidee: Straßenbahn Marburg
(mit Standseilbahn-Abschnitt auf die Lahnberge)


Eine Kabinenseilbahn ist sicher ein problematischer Ansatz, da er nicht in ein bestehendes Verkehrsnetz integriert werden kann - ein Umstieg ist immer notwendig. Wäre es nicht sinnvoll, nach dem Triester Vorbild eine Straßenbahnstrecke, die Marburgs Innenstadt quert mittels einer Standseilbahnstrecke auf die Lahnberge zu verlängern?

Marburgs Innenstadt täte eine Umstellung des Busverkehrs auf eine Straßenbahnstrecke insgesamt ökologisch gut. Eine Straßenbahn fasst zudem mehr Passagiere.

Hinter dem Hauptbahnhof führt die Straßenbahn die Dürerstraße entlang und in Höhe der Nervenklinik dockt der Straßenbahnwagen an einen Beiwagen mit  Standseilbahnantrieb an, der die Züge die Lahnberge hochzieht. Etwa in Höhe des Heizkraftwerks des Uniklinkums koppeln die Straßenbahnen von den Standseilbahnanhängern ab und fahren weiter bis zum Campus auf den Lahnbergen und wenden vor dem Biologischen Institut.



Quellen:
Gimbel, Karl-Heinz (1992): Eine neue Straßenbahn für Marburg. Eigenverlag.
Gimbel, Karl-Heinz (2011): Die Marburger Straßenbahn. Eigenverlag
Dannenfeld, Dirk & Hanke, Franz-Josef (2002): Mit Hafer, Strom und Diesel. OFM.