Verkehrsgeschichtliches aus Helsinki (Finnland) und Tallinn (Estland)
 
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S-Bahn Tallinn/Reval (Elektriraudtee)


In der Umgebung der estnischen Hauptstadt Tallinn gibt es drei S-Bahnlinien auf einer Netzlänge von 132 Kilometern. Der Vorortverkehr wird estnisch "
Elektriraudtee" genannt. Die Hauptstrecke, auf der alle Linien gemeinsam verkehren, führt vom Vorort Charlottenhof (Aegviidu) über dem Revaler Hauptbahnhof (Balti jaam) bis in die Stadt Kegel (Keila). Dort zweigt eine Linie nach Riesenberg (Riisipere) ab, die beiden anderen Linien führen gemeinsam nach Lodensee (Klooga). Von dort zweigt von der Hauptstrecke nach Baltischport (Paldiski) zudem eine die Nebenstrecke zum Strand von Lodensee (Klooga-Rand) ab.

Der S-Bahnverkehr rund um Reval (Tallinn) wurde am 20. September 1924 mit der Eröffnung der elektrifizierten elf Kilometer langen Strecke in den Stadtteil Paeskülla (Pääsküla) gestartet. Bis zu einer Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs im Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke fortwährend mit neuen Haltepunkten zu einer modernen S-Bahnlinie umgebaut.

Ab dem 5. August 1946 kamen 140 Berliner S-Bahnzüge als Reparationsleistung in die Sowjetunion und wurden in der Moskauer Perovos-Fabrik umgebaut. Die Züge der Berliner Baureihen 165.0-6, 165.8 und 167 wurden als Züge der sowjetischen Baureihe EM167 (ЭМ167) hauptsächlich auf der S-Bahn Tallinn eingesetzt. Dafür mussten die deutschen Züge auf russische Breite umgespurt werden und sie erhielten Stromabnehmer für die sowjetische Oberleitung. 1952 kamen 69 Züge zurück nach Berlin und wurden abermals umgebaut. Der Rest verblieb hauptsächlich in
Tallinn und Moskau.

Bis 1958 wurden weitere Züge aus der DDR nach Estland verbracht. Mit dem aufgestockten Wagenpark konnte ab dem 19. Juli 1958 die Verlängerung der S-Bahnstrecke von Paeskülla  (Pääsküla) nach Kegel (Keila) eröffnet werden. Am 30. Dezember 1958 fuhren die Züge dann weiter bis Lodensee (Klooga) und ab 1961 bis in die Hafenstadt Baltischport (Paldiski). Im Jahre 1965 folgte dann der Ausbau eines der westlichen Streckenäste von Kegel (Keila) nach Wassalem (Vasalemma) und ab 1981 weiter bis zu ihrem heutigen Endpunkt Riesenberg (Riisipere).
Der Oststrecke wurde ab 1974 zur Stadt Kedder (Kehra) und 1978 von dort weiter nach Charlottenhof (Aegviidu) fertiggestellt.

Auch ins polnische Danzig (Gdańsk) sind bei Kriegsende Berliner S-Bahnzüge gelangt. Zu deren Geschichte s. bitte unsere > BahnInfo-Schwesterseite zur S-Bahn Danzig


Ein aus der Berliner Baureihe 167 umgebauter S-Bahnzug (umgespurt auf russische Breite),
der ab 1946 in Tallinn auf der S-Bahnstrecke als Baureihe ЭМ167 verkehrte.
Foto um 1950, entstanden in Tallinn,
vermutlich gemeinfrei.

Quelle (auch Bild): Bley, Peter (1980): Berliner S-Bahn. Vom Dampfzug zur elektrischen Stadtschnellbahn. Düsseldorf: alba Verlag.